Luftfahrtversicherungen: welche gibt es, und welche machen Sinn?

aktualisiert am: 14.03.2017

Am 10.03. fand ein AOPA Seminar zum Thema Luftfahrtversicherungen statt. Nina Schnelzer und Christian Mädel von der Maklergesellschaft GrECo JLT standen einem interessierten Publikum Rede und Antwort.

Christian Mädel, selbst ein begeisterter Pilot, begann sich als Versicherungsmakler auf die Luftfahrt zu spezialisieren. Er gründete 1991 die Argentur CMV in Wien. Das Geschäft wurde sehr schnell auf Kontinentaleuropa und britische Inseln ausgeweitet. Mittlerweile gibt es eine Zweigstelle in London. Zur Zeit wird stark in Osteuropa expandiert. 2014 wurde die CMV in die GrECo JLT Group integriert, wo sie weiterhin als eigenständiger Geschäftsbereich für die Luftfahrt existiert.

Doch nun zu den wichtigsten Punkten des Seminars:

Grundsätzlich gilt: Luftfahrtversicherungen sind immer Jahresversicherungen. D.h. die Leistungen und Prämien werden jährich in einem Gespräch neu bewertet. Jede Änderung am Luftfahrzeug (Engine, Prop, Verwendung, Avionik,…) kann Auswirkungen haben.

Die Haftpflichtversicherung besteht aus 2 Teilen. Die Halter-Haftpflicht, deckt Schäden ausserhalb des LFZ ab.

Neben einer verschuldensabhängigen Haftung besteht dabei für den Halter eines Luftfahrzeugs auch die Verpflichtung zum Schadensersatz für Schäden an Fluggästen bis zu einer Haftungssumme von 100.000,00 Sonderziehungsrechten (derzeit 1 SZR = ca. 1,30 EUR), ohne dass der Schaden schuldhaft entstanden sein muss. Bis zu einem Betrag in Höhe von 100.000,00 SZR (also ca. 130.000 EUR) haftet der Halter also in jedem Fall in Höhe der Schadenssumme.
Dafür gibt es die Passagierhaftpflicht deren Mindestversicherungsanforderungen in der EU Verordnung 785/2004 festgelegt sind.

Bei der Haftpflicht wird für beide Teile ein sogenanntes Combined Single Limit empfohlen. Die CSL-Versicherung ist die optimale Absicherung für Motorflugzeuge und gilt heute als Standard. Im Vergleich zu den Einzelversicherungen haben Sie bei der CSL-Versicherung denselben Versicherungsumfang, genießen jedoch Versicherungsschutz durch eine einheitliche Deckungssumme je Schadenereignis. Die Deckungssumme variiert je nach max. Abfluggewicht (MTOW) und Anzahl der Gastplätze.
Übrigens, auch die Bergungskosten für das eigene Flugzeug sind Teil der Haftpflicht Versicherung.

Mit einer Luftfahrt-Kaskoversicherung für Motorflugzeuge schützen Sie Ihr Luftfahrzeug gegen Teil- oder Totalschäden, die laut Definition durch mechanische Einwirkung von Aussen entstanden sind. Innere Betriebsschäden sind nicht abgedeckt, Folgeschäden daraus aber schon. Grundlage zur Bestimmung der Versicherungssumme ist der Wiederbeschaffungswert eines gleichwertigen Flugzeuges zum Zeitpunkt des Unfalles. Darin sind auch Nebenkosten wie Ferry-Flights abgedeckt. Die Versicherungssumme richtet sich nach dem Agreed Value des Flugzeuges. Dieser wird in der Polizze festgelegt.

Zusätzlich gibt es auch eine sogenannte Loss of License Versicherung, die Piloten bei Verlust Ihrer Lizenz (z.B. aus gesundheitlichen Gründen) finanziell absichert.

Freiwillig ist auch die Unfallversicherung für Passagiere. Diese hat den Vorteil, dass es z.B. im Todesfall zu einer schnellen Auszahlung an die Hinterbliebenen bzw. an den Notar der Hinterbliebenen kommt. Diese Versicherung ist für DE registrierte LFZ um Schulungsbetrieb allerdings Pflicht. Im Schulungsfall gilt der Flugschüler als PAX.

Für das fliegende Lehrpersonal gibt es die Fluglehrer Haftpflicht Versicherung. Diese gibt es für Einzelpersonen und als Gruppenversicherung (Flugschulen).

Auch gut zu wissen: Drohnen mit Kameras müssen zugelassen werden, und unterstehen einer Versicherungspflicht. Ein gleiches Fluggerät ohne Kamera wird vom Gesetzgeber als Modellflugzeug betrachtet, und unterliegt zur Zeit keiner Versicherungspflicht.

In Schadensfällen wird empfohlen sofort Fotos anzufertigen. Am Besten mit der Smartphone Kamera, da diese gleichzeitig den Ort und die Zeit dokumentiert. Wenn auch nicht eine sofortige Verpflichtung besteht den Fall den Behören zu melden, so ist es wichtig, so schnell wie möglich die Störungsmeldung an die Versicherung anzufertigen solange die Erinnerung an die Ereignisse noch frisch sind.

Die AOPA Austria ist zur Zeit mit der Maklergesellschaft GrECo JLT im Gespräch, um Aktionen für AOPA Mitglieder auszuhandeln. Wir werden auf Sie zukommen, sobald es konkrete Angebote gibt.

Bitte senden Sie uns Ihre persönlichen Fragen zu den Luftfahrtversicherungen an office@aopa.at.


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