Unfälle durch falsches Tanken, ein cleverer Test kann das Schlimmste verhindern

aktualisiert am: 16.05.2017

Die National Air Transportation Association (NATA) hat 2016 mit dem AOPA Air Safety Institute ein Safety 1st General Aviation Misfueling Prevention Program ins Leben gerufen, um das Bewusstsein zu wecken und zu verhindern dass katastrophale Motorschäden durch Fehltankungen verursacht werden.

Die Anzahl an Vorfällen und Unfällen wegen falscher Betankung – 2015 gab es alleine in Kanada 15, wobei 3 davon tödlich ausgingen – gibt den Experten der beiden Organisationen Grund genug, umfangreiche Maßnahmen zu ergreifen.

Betreiber von Tankstellen werden daran erinnert, dass die Zapfhähne für Avgas und Jet A zwei verschiedene Größen haben müssen, mit einer breiten (Entenschnabel) Öffnung für Jet-Treibstoff, der nicht in die engen Tank-Öffnungen für Flugzeuge, die 100LL betreiben passt. Piloten sollten sicherstellen, dass die Treibstofftanks ihres Flugzeugs für Jet A oder 100LL auf den entsprechenden Tankdeckeln deutlich gekennzeichnet sind. Piloten sollten ihre Treibstoffrechnungen sofort auf die Kraftstofftype überprüfen.

„Ich habe eine 50/50 Mischung aus 100LL und Jet Treibstoff in einem klaren Glas eine Woche lang aufbewahrt, und es sieht immer noch aus wie Avgas“, sagt George Perry, Senior Vice President des Air Safety Institute. „Einfach Drainen und schauen ist nicht gut genug. Was Sie wirklich tun müssen, ist die Nase hineinhalten und riechen. Wenn Sie einen öligen Geruch erkennen, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Treibstoff verunreinigt worden ist.“

Praxistipps des AOPA Air Safety Institute

Laut Perry ist es relativ einfach Kraftstoffverunreinigung zu vermeiden; Piloten müssen nur einen dreistufigen Prozess folgen.

Erstens, kommunizieren Sie Ihre Bedürfnisse bezüglich Betankung an die FBOs bzw. das Handling Personal. Sie sollten den Tankvorgang, wenn möglich immer beobachten. Wenn Sie aus irgendeinem Grund nicht persönlich dabei sein können, ist eine Kontrolle dringend zu empfehlen.

Perry empfielt einen schnellen Feldtest: „Zuerst riechen. Wenn Sie Jet A riechen, dann sollten Sie einen „Papierhandtuch-Test“ machen. Tun Sie das, indem Sie ein wenig Treibstoff (aus dem Drain Ventil) auf ein weißes Papiertuch gießen. Wenn der Kraftstoff schnell verdunstet, eine leichte blaue Tönung hinterlässt, und das Tuch trocken wird, ist das ein gutes Zeichen. Wenn Jet-Treibstoff vorhanden ist, hinterlässt er einen öligen Glanz und er verdunstet nur extrem langsam.

Perry warnt, dass sogar geringste Mengen Jet-Treibstoff in Kolbenmotoren die Oktanzusammensetzung von Avgas drastisch senken können. Und geringere Oktanzahlen, vor allem bei High-Power-Einstellungen, schnell ein Triebwerk zerstören können. Ein Weg, um diese Situation zu vermeiden, sagt Perry, ist die Aufmerksamkeit auf die Motortemperaturen während der Vorlauf-Verfahren zu lenken. „Höher als normale Temperaturen sind eine No-Go-Situation“, erklärt er. Auf der anderen Seite sind die meisten Turbinen-Motoren in der Lage, auch mit Avgas ausreichende Leistungen zu bringen, aber das kann auch hier zu teuren Reparaturen führen.

Wie sollen Sie sich nun verhalten, wenn Sie verunreinigten Kraftstoff finden?

  • auf keinem Fall den (oder die) Motor(en) anlassen
  • Das Flugzeug in die Werft schleppen lassen
  • Das Treibstoffsystem durch einen zertifizierten Wart mit den vom Hersteller beschreibenen Verfahren reinigen lassen.

Quelle: https://www.aopa.org/news-and-media/all-news/2016/february/08/nata-partners-with-asi-for-misfueling-prevention
Fotos und Grafiken: Harald Schmid


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