Antrittsbesuch des neuen AOPA Vorstandes bei der Austro-Control

aktualisiert am: 16.07.2019

Robert Michl, der neue AOPA Austria Präsident und Friedrich Buza (1. Vizepräsident) hatten kürzlich die Gelegenheit, den Geschäftsführer der Austro Control (ACG), Herrn DI Axel Schwarz, zu einem Gedankenaustausch über die aktuellen Vorhaben im Bereich der General Aviation zu treffen. Der seit heuer amtierende Geschäftsführer ist nicht nur durch seine Studien, sondern auch durch seine praktischen Erfahrungen als Pilot, Examiner und Auditor für unsere Interessensvertretung ein wichtiger Partner, der auch die ACG als mehrjähriger ehemaliger Mitarbeiter gut von innen her kennt.

Es wird hier der Stand der Dinge zum Zeitpunkt des Gesprächs (26.06.2019) wiedergegeben.
Die seitdem eingetretenen  Änderungen sind im Anschluss aufgeführt

Politisches Umfeld

AOPA: Das generelle politische Umfeld erleichtert leider nicht die geplanten Fortschritte. Wir wurden aber bereits vom BMVIT informiert, dass das Projekt Sportluftfahrt, ebenso wie das Projekt Drohnen, erfreulicherweise unverändert fortgeführt wird.

Schwarz: Was Änderungen von Gesetzen, insbesonderedes Luftfahrtgesetzes anbelangt, ist sicher mit Verzögerungen zu rechnen, da vor der Nationalratswahl kein Verkehrsauschuss mehr tagt. Verordnungen, die lediglich der Unterschrift des Bundesministers bedürfen,könnten aber mit etwas Glück auf den Weg gebracht werden. Hier ist insbesondere das betriebsleiterlose Fliegen zu erwähnen, von dem besonders kleinere Plätze profitieren würden. Ansonsten nützen wir die gegebene Situation, unsere Vorhaben sachlich weiterzuentwickeln. Weiters liegen für das Projekt Sportluftfahrt auch fertige Entwürfe für die ZLLV, ZLPV und Gästeflug-VO vor. Ob diese wegen ihrer Komplexität vom neuen Interrimsminister auch freigegeben werden ist unklar.

Flugplanloser Grenzüberflug

AOPA: Seit Jahrzehnten funktioniert dieses Prinzip mit Deutschland völlig problemlos, auch andere Nachbarländer wie Tschechien möchten die Flugplanpflicht streichen. Das BMfLV hat bereits per 1.1.2018 seine Zustimmung erteilt, Voraussetzungen sind VFR und Mode S Transponder. Die Piloten der GA erwarten hier eine Gleichbehandlung nicht nur zwischen den Ländern der EU sondern auch mit den Inlandsflügen. Ein Flug von Hofkirchen nach Dobersberg unterscheidet sich durch nichts von einem solchen von Seitenstätten nach Excalibur. Flugpläne als Dienstleistung auf freiwilliger Basis sind von den Piloten der GA durchaus erwünscht, Eingriffe staatlicher Organisationen in freie Entscheidungen des PIC lehnen wir hingegen ab.

Schwarz: Seitens ACG gibt es zu diesem Punkt Einverständnis. Die endgültige Umsetzung obliegt jedoch dem BMVIT, da dazu eine Änderung der Grenzüberflugs-Verordnung nötig ist. Dies wird auch dadurch erschwert, dasses bei solchen zwischenstaatlichen Regelungen der Gegenseitigkeit bedarf. Im Falle Tschechien ist das gegenseitige Interesse aber mit Sicherheit gegeben.Leider ist der entsprechende Verordnungs-Entwurf noch nicht in Abstimmung.

MTOW Erhöhung bei Ultraligths

AOPA: Österreichische Piloten beginnen bereits mit ersten Ankäufen und Importen solcher Luftfahrzeuge, können aberin Österreich damit derzeitnicht legal fliegen. Ein deklaratives Zulassungsverfahren und/oder die Anerkennung nationaler Zulassungen aus anderen EASA Ländern sind dazu unerlässlich. Außerdem wird aufgrund unseres kleinen österreichischen Marktes kaum einHersteller die teure österreichische Musterzulassung erwirken. Ohne diese Änderungen bleiben österreichische UL–Registrierungen eine Randerscheinung, aber in wichtigen Nachbarmärkten boomt dieses Segment seit Jahren. Piloten werden auf Basis der Gästeflug-VO mit deutschen ULs und deutschen Lizenzen (gleiches gilt sinngemäß für andere Nachbarländer) bei uns fliegen. Dem österreichischen Staat entgehen dadurch Einnahmen. Wirtschaftliche Nachteile für alle Involvierten sollten die Übergangsregierung bewegen, die entsprechenden Verordnungen zu unterschreiben. Seitens des BMVIT wird dazu wohl ein Vergleich der Zulassungsregularien gewünscht werden. Hier sehen wir ACG in der Pflicht.

Schwarz: Zwischen den Sachgebietsmanagern der ACG gibt es seit längerem eine gute Zusammenarbeit mit AOPA und dem Österreichischen Aeroclub(OeAC). Das gegenständliche Thema wurde und wird dort konsequent weiter abgearbeitet und ist derzeitin Phase 2 des Projektes Sportluftfahrt eingeplant. Ob der geplante Termin 2019 zu halten ist, darf allerdings angezweifelt werden. Die Stakeholder der GA, darunter auch die AOPA werden über die Zwischenergebnisse regelmäßig informiert. Eine stärkere Einbindung aller Stakeholder in das Projekt des BMVIT ist seitens der ACG erwünscht.

Betriebsleiterloses Fliegen

AOPA: Der Erstentwurf des BMVIT wurde seitens AOPA ohne Auflagen zur Kenntnis genommen, wiewohl kleine Änderungen angeregt wurden. Ähnlich hat sich auch der OeAC verhalten.

Schwarz: Auch ACG hat diesen Entwurf akzeptiert, um dieses Anliegen des ehemaligen Bundesministers rasch auf den Weg zu bringen. Leider haben 3 Tage zur Unterschrift durch BM Hofer gefehlt. Wir hoffen, dass der neue Bundesverkehrsminister die VO unterfertigen wird. Änderungen einzelner nicht ganz praxisnaher Regelungen können zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Language Proficiency

AOPA: Das dazu aufgesetzte Projekt der Anerkennung ausländischer Language Proficiency Checks und Vereinfachung der Funkprüfung ist offenbar in den stand-by Modus gerutscht. Das verfolgte Ziel einer „One Stop Shop“ Prüfung wurde von uns ausdrücklich befürwortet.

Schwarz: Funkerzeugnisse und Language Proficiency sind zwei verschiedene Dinge. Wir wollten die Änderungen in die ZLPV bringen, was aber aus den in meinem einleitenden Statement genannten Gründen kurzfristig schwierig sein dürfte. Vor der Bildung einer neuen Regierung sind hier keine definitiven Beschlüsse zu erwarten. Seitens der Beteiligten der ACG wird dieses Vorhaben jedoch einstimmig unterstützt.

Das große Thema Drohnen

AOPA: Neben dem Projekt „Sportluftfahrt“ ist dieses Thema aufgrund der EASA Vorgaben von höchster Priorität

Schwarz: Die EASA DrohnenVO ist seit 1.7.2019 in Kraft, das 1 jährige opt out gibt Zeit bis 1.7. 2020, entsprechende nationale Regularien zu gestalten und zu beschließen. Ohne Zweifel werden bestehende Regeln bezüglich der Luftraumaufteilung und des Zusammenlebens zwischen unbemannter und bemannter Luftfahrt nicht zu halten sein. Die AOPA wird als Stakeholder aber auch zu diesem Projekt einbezogen werden.

Verbesserung der Kommunikation mit den Stakeholdern

AOPA: Eine never ending story. Wir wünschen uns von ACG auf den Punkt gebrachte Informationen, die nicht erst das Durchstöbern von oft mehr als 100 Seiten Regelwerk erfordern, sondern zielgruppenorientiert den wesentlichen Inhalt einer Botschaft erkennen lassen. Seitens des BMVIT werden wir die frühzeitige Einschaltung von Stakeholdern einfordern. Die EASA ist hier schon weiter und handelt nach diesem Prinzip. Wir bitten die ACG uns hier auch im BMVIT zu unterstützen.

Schwarz: (….lächelt zum ersten Punkt). Zum zweiten Punkt kann ich bestätigen, dass auch seitens ACG eine möglichst frühzeitige Abstimmung aller betroffenen Stakeholder erwünscht ist.

PPL Nutzung mit LAPL Medical

AOPA: Aus unerforschten Gründen können PPL-Inhaber, welche (oft vorübergehend) nur im Besitz eines LAPL –Medicals sind, die LAPL Rechte nicht ohne Rückgabe des PPL ausüben, ATPL und CPL-Inhaber hingegen schon. Dieser offensichtliche administrative Irrtum auf EASA Ebene sollte möglichst bald bereinigt werden. Lt. EASA-Aussagen auf der AERO2019 ist aber auch jetzt schon ein work around möglich.

DI Schwarz wird diesem Thema nachgehen.

AOPA: Sehr geehrter Hr. DI Schwarz, das Präsidium der AOPA Austria bedankt sich im Namen aller unserer Mitglieder für diesewertvollen Informationen.

Robert Michl
Präsident der AOPA Austria

Friedrich Buza
1. Vizepräsident

Aktualisierungen zu einzelnen Punkten, die erst nach dem Gespräch bekannt wurden:

Betriebsleiterloses Fliegen:

Mit Unterschrift des Verkehrsministers Andreas Reichhardt tritt die entsprechende 209. Verordnung des BMVIT mit 11. Juli 2019 in Kraft:
https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2019_II_209/BGBLA_2019_II_209.pdfsig

PPL Nutzung mit LAPL Medical

Es erreichte uns ein Protokoll des EASA Committees, wonach dieser Punkt als erledigt zu betrachten ist. AOPA hat ACG gebeten, uns über die Inkraftsetzung in Österreich umgehend zu informieren, damit alle betroffenen Piloten rasch informiert werden und die Vorteile dieser Regelung nutzen können.


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Besuch bei der Leiterin der SUB, Frau Dipl.-HTL-Ing. BA Bettina Bogner
Am 23.10.2019 besuchte eine Delegation der AOPA Austria die Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB) Teilgenommen an der Besprechung haben: SUB:Fr. Bettina Bogner / Leitung der SUBHr. Stefan Kasper / SUB AOPA Austria:Hr. Robert Michl / PräsidentHr. Friedrich Buza / VizepräsidentHr. Herbert Licenik / Schriftführer Zweck des Besuches war die Vorstellung der AOPA Austria unter der neuen Führung und die Erörterung von Möglichkeiten der Kooperation. Die SUB ist für die Untersuchung von Unfällen in der Schifffahrt, mit Seilbahnen, Schienen und Zivilluftfahrzeugen in Österreich zuständig. Das Ziel der Untersuchungen ist die Feststellung der wahrscheinlichen Ursachen und die Ausarbeitung von Sicherheitsempfehlungen. In den Berichten geht es nicht um die Klärung von allfälligen Schuldfragen! In der Vergangenheit war eine starke Unterbesetzung der Dienststelle zu konstatieren, was zu verzögerten Untersuchungen und Veröffentlichungen der Berichte führte. Fr. Bogner leitet die SUB interimistisch seit März 2018 und definitiv seit Februar 2019. Die Dienstelle ist eine nachgeordnete Behörde, daher besteht kein fachliches Weisungsrecht seitens übergeordneter Dienststellen oder seitens des Ministers. Für die Luftfahrt sind dzt. 8 Mitarbeiter zuständig. Bei Bedarf werden externe Stellen für Spezialuntersuchungen hinzugezogen. Auf die Frage nach den häufigsten Ursachen von Flugunfällen nannte Fr. Bogner mangelhafte oder gar fehlende Flugvorbereitung, Fehler bei der Treibstoffplanung (was u.a. zu erhöhtem Druck führt, in grenzwertigem Wetter zu landen), Wetter in alpinem Gelände und den Klassiker Einflug in IMC unter VFR. Die SUB untersucht alle Ereignisse bei denen Verletzte oder Tote zu beklagen sind, und schwere Störungen. Nicht alle gemeldeten Vorfälle führen zu einem kompletten Untersuchungsbericht. Pro Jahr werden tausende Vorfälle gemeldet, es ist eine steigende Meldungskultur zu verzeichnen. Trotzdem möchte die SUB die Scheu vor Meldungen weiter abbauen, um bessere Sicherheitsempfehlungen abgeben zu können. In Zukunft sollen Unfallbeteiligte und Zeugen (soweit möglich) vermehrt in die Untersuchungen eingebunden werden. Jedes Jahr wird von der SUB ein Summary über die Unfälle veröffentlicht. Bei jedem Unfall wird ab Unfalldatum binnen eines Jahres mindestens ein Zwischenbericht veröffentlicht. Die Unfallberichte selbst sind auf der Homepage des BMVIT zu finden: https://www.bmvit.gv.at/verkehr/sub/luftfahrt/berichte/ Notifications (Kurzdarstellungen) werden nicht veröffentlicht. Die SUB führt keine Untersuchungen bei Unfällen mit Ultralights, Fallschirmen und Paragleitern durch. Segelflug-Unfälle werden aber sehr wohl untersucht. Die SUB ist nicht in das Projekt Sportluftfahrt des BMVIT eingebunden. AOPA Austria regt an, eine Projekt-Kooperation der beiden Dienststellenzu prüfen. Fr. Bogner hat sich am Ende des Gespräches dankenswerter Weise bereit erklärt, einen Vortrag im Rahmen der AOPA Austria Vortragsreihe „Rusty Pilots“ zu halten. Dieser wird am Freitag, den 29.11.2019 um 18:00 stattfinden.Der Ort wird noch festgelegt, die Themen im Detail ebenfalls. Fragen im Vorfeld sind erwünscht. AOPA Austria bedankt sich im Namen des gesamten Vorstandes für das außerordentlich angenehme und konstruktive Gespräch. Herbert LicenikAOPA AustriaSchriftführer

LPC Erleichterungen
Die mit 06.09.2019 veröffentlichte Revision 5 des Zivilluftfahrt-Hinweises (ACG) FCL 7, „Verfahren zum Nachweis der Sprachkompetenz gemäß VO (EU) Nr. 1178/2011 Anhang I (Teil-FCL) FCL.055 (e)", bringt die folgenden Neuerungen mit sich: Sprachkompetenz-Prüfungsverfahren von anderen EASA-Mitgliedsstaaten werden ab sofort seitens Austro Control anerkannt, sofern sie bestimmten Vorgaben entsprechen (siehe Punkt 4.1.1. des ZPH FCL 7, Rev 5), insbesondere ist zu bestätigen, dass die Sprachkompetenzprüfung mindestens einen 15minütigen Dialog mit dem Sprachkompetenzprüfer beinhaltet und eine Audioaufzeichnung der gesamten Sprachkompetenzprüfung angefertigt wurde, welche Austro Control zur Verfügung zu stellen ist. Die Übermittlung der Audioaufzeichnung der gesamten Prüfung an Austro Control dient sowohl der routinemäßigen Aufsicht, wie sie auch bisher schon stattfindet, als auch der Sicherstellung des Einspruchverfahrens in solchen Fällen, in denen jemand mit dem Ergebnis der Sprachkompetenzprüfung nicht einverstanden ist.Am Antrag auf Eintragung eines Sprachenvermerks (FO_LFA_PEL_313_DE_20) ist vom Sprachkompetenzprüfer bzw Language Assessment Body (LAB) zu bestätigen, dass die Sprachkompetenzprüfung unter Einhaltung von VO (EU) Nr. 1178/2011 Anhang I FCL.055 und den dazu erlassenen annehmbaren Nachweisverfahren (AMC) erfolgte sowie einen Dialog von mindestens 15minütiger Dauer enthielt und von der gesamten Prüfung eine Audioaufzeichnung angefertigt wurde.Die Sprachkompetenzprüfung darf zum gleichen Termin, aber nicht in Verbindung mit einer Befähigungsüberprüfung, einer Kompetenzbeurteilung oder einer praktischen Prüfung durchgeführt werden, sofern die Vorgaben gemäß Punkt 4.3.1 des ZPH FCL 7, Rev 5 eingehalten werden, d.h. die Prüfung durch einen LPE (Language Proficiency Examiner) mit einem seitens Austro Control genehmigten Sprachtest abgenommen wird. Für die Lizenzeintragung reicht ein Hand-Endorsement eines FE, das gilt jedoch nicht für Ersteintrag oder Level change! Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an sprachkompetenz@austrocontrol.at"