Fliegen aus der / in die Schweiz

aktualisiert am: 17.10.2019

Michael Rutz für AOPA Austria

Die Schweiz bietet eine abwechslungsreiche Landschaft für gemütliche Ausflüge in die Voralpen, aber natürlich und vor allem auch viel anspruchsvolle Gebirgsfliegerei. Der Zugang zum Luftraum ist denkbar einfach und die Zollformalitäten schnell erledigt.

Intra-Schengen

Bekannter weise ist die Schweiz nicht Teil der EU und der Zollunion. Aber seit nun mehr als zehn Jahren ist sie Mitglied des Schengen-Raums. So sind bei grenzüberschreitenden Flügen aus anderen Mitgliedstaaten Personenkontrollen nicht notwendig. Doch Zollkontrollen entfallen nicht! Jeder Flug in die oder aus der Schweiz bedarf also nicht nur eines Flugplanes, er muss auch in beiden Ländern dem Zoll bekannt gemacht werden. Das Verfahren dazu unterscheidet sich je nach Flugplatz.

Zoll in der Schweiz

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das Prozedere recht unaufwändig ist und auf fast allen Plätzen durchgeführt werden kann. Hier stehen eher lokale Einschränkungen wie Öffnungszeiten oder Voraussetzungen für PPR im Weg. Wer Landegebühren und Kontrollzonen nicht scheut, findet auf den Flughäfen den Zoll während der Öffnungszeiten jeweils vor Ort und es bedarf keiner Vorbereitung. Bei Start oder Landung auf einem der mittelgroßen Flugplätze wird vorher online ein Formular ausgefüllt und mindestens eine Stunde vorher beim Platz telefonisch oder via Email bestätigt. Bei kleinen Vereinsplätzen muss mehr Zeit in der Vorbereitung eingeplant werden, hier gibt es ja keine Administration mit fixen Bürozeiten und die Kommunikation via Email kann auch mehrere Tage dauern.

Nachfolgend ein paar Beispiele:

  • LSGN-NEUCHÂTEL-COLOMBIER
    Zollformular online ausfüllen, mit der Bestätigung dann mindestens eine Stunde vorher anrufen.
    https://www.neuchatel-airport.ch/
  • LSZL-LOCARNO-MAGADINO
    Zollformular wird durch Administration erledigt, der Flugplan sollte dazu aber mindestens 1 Stunde vor Abflug/Landung aufgegeben werden.
  • LSGL – AÉROPORT DE LAUSANNE
    Zollformular im Word Format von der Webseite downloaden, dieses dann mindestens eine Stunde vorher via Email an den Platz senden.
    http://www.lausanne-airport.ch/pilotes/douane.html

Eine vollständige Liste mit allen Plätzen und jeweiliger Kategorie der Zoll-und Personenkontrolle findet sich hier: https://www.ezv.admin.ch/ezv/de/home/information-private/waren-anmelden/einfuhr-in-die-schweiz/grenzueberschreitende-fluege.html

Zoll in Österreich

Auch in Österreich ist die Situation ähnlich. Die Flughäfen bieten Zoll ohne Voranmeldung, aber zu einem etwas günstigeren Landepreis als in der Schweiz. Zoll mit vorheriger Anfrage findet sich aber auch auf den Flugplätzen. Ein kurzer Anruf zwei bis drei Stunden vorher genügt.

Zoll in Deutschland

Deutschland unterscheidet den Begriff Zollflugplatz. Ein Zollflugplatz in Deutschland bietet eine besetzte Zollstation während der Öffnungszeiten. In der Liste offizieller Zollflugplätze entdecken wir dann auch nur die Flughäfen. Für den Einflug nach Deutschland herrscht aber Zollflugplatzzwang. Die General Aviation ist davon aber unter bestimmten Voraussetzungen befreit. Private, nichtgewerbliche Flüge, ohne zollpflichtige Waren (z.B. zollfreie Souvenirs, Reisegepäck) dürfen über einen sogenannten besonderen Landeplatz ein- oder ausfliegen. Ähnlich wie in Österreich bieten diese Flugplätze das Zollverfahren nach vorheriger Anfrage an.

Links:

Allgemeine Warnung zum Thema Zoll

Aufgrund von konkreten Vorfällen kann man allen, die über die Schweizer Grenze fliegen (oder mit Mietautos fahren, auch das ist nicht ohne Tücken) nur dringend empfehlen, sich mit dem Zoll in beiden Ländern in Verbindung zu setzen und sich nicht auf Aussagen von Flugplatzpersonal oder Polizei oder auf Infos aus der AIP zu verlassen (auch da gab es schon Irrtümer).

Es gibt eine Menge Verfahren, in denen mittlere 5 stellige Eurobeträge als Strafgebühr für die Nichtbeachtung von Zollregeln verhängt wurden; Die jeweiligen juristischen Einsprüche wurden durch alle Instanzen durchgängig verloren.

Zürich Information, Grüezi

Auf den Infofrequenzen (Zurich Information 124,700 / Geneva Information 126,350) in der Schweiz wird vornehmlich Englisch gesprochen. Der Umgangston ist freundlich, die ControllerInnen sind gut verständlich und es wird gerne geholfen. An schönen Flugtagen sind die Frequenzen dann auch gut belegt. Das vor allem von Zurich Info abgedeckte Gebiet ist ziemlich groß und umfasst Alpennord- und -südseite, das erschwert oft die Kontaktaufnahme. Der Flugplan liegt den Lotsen/Lotsinnen meist nicht vor, beim Erstanruf also die geplante Route bereithalten! Da geländebedingt die Radarabdeckung nicht gegeben ist, bekommt man normalerweise ein Punkt für die nächste Positionsmeldung. Dafür dienen meist Pässe und größere Ortschaften oder Städte. Mit einer entsprechenden Karte und etwas Vorbereitung entlang der geplanten Strecke ist das auch kein Problem. Verbindungsgarantie gibt es aber an den Meldepunkten vor allem in den Bergtälern keine. Mit etwas Geduld und regelmäßigem Probieren alle paar Minuten klappt es dann früher oder später und der nächste Punkt ist an Bord.

BAZL (Bundesamt für Zivilluftfahrt) und EASA

Seit 1. Dezember 2006 nimmt die Schweiz durch ein bilaterales Abkommen an der EASA teil. Schweizer PilotInnen haben damit Zugang zu EASA Lizenzen. Auch die gegenseitige Anerkennung von Flugpersonallizenzen und Flugzeugmusterberechtigungen ist gegeben.

AIP, NOTAM und WX

Informationen zum Schweizer Luftraum finden sich auf https://www.skybriefing.com. Der Basiszugang kostet knapp 50 CHF pro Jahr.

Hier empfiehlt sich https://www.homebriefing.com der Austro Control GmbH. Der Zugang ist gratis und beinhaltet AIP, NOTAMS und Wetter auch für die Schweiz.

General Aviation

Gerade die mittelgroßen Schweizer Plätze sind auf die General Aviation ausgerichtet. Die Administration ist freundlich und hilfsbereit, und die Privatpiloten pflegen einen offenen Umgang. Auch die Lande- und Parkgebühren sind nicht überteuert und liegen auf ähnlichem Niveau wie in den benachbarten Ländern. Der Treibstoff ist oft sogar etwas günstiger als in Deutschland oder Österreich. Wenn auch nicht gerade dafür bekannt, die Schweiz ist durchaus ein Land für das Abenteuer Luftfahrt.

Nachtrag der Redaktion:

Lesen Sie dazu den folgenden Artikel bezüglich eines Fluges von Birrfeld nach Würzburg, wo das Hauptzollamt etwa € 25.000 von einem Piloten einfordert:

Zusätzlich wollen wir erwähnen, dass man sich vor der Landung auf Schweizer Plätzen unbedingt über die Landegebühren informieren sollte. Diese können vereinzelt sehr hoch sein.


Das könnte Sie auch noch interessieren

Besuch bei der Leiterin der SUB, Frau Dipl.-HTL-Ing. BA Bettina Bogner
Am 23.10.2019 besuchte eine Delegation der AOPA Austria die Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB) Teilgenommen an der Besprechung haben: SUB:Fr. Bettina Bogner / Leitung der SUBHr. Stefan Kasper / SUB AOPA Austria:Hr. Robert Michl / PräsidentHr. Friedrich Buza / VizepräsidentHr. Herbert Licenik / Schriftführer Zweck des Besuches war die Vorstellung der AOPA Austria unter der neuen Führung und die Erörterung von Möglichkeiten der Kooperation. Die SUB ist für die Untersuchung von Unfällen in der Schifffahrt, mit Seilbahnen, Schienen und Zivilluftfahrzeugen in Österreich zuständig. Das Ziel der Untersuchungen ist die Feststellung der wahrscheinlichen Ursachen und die Ausarbeitung von Sicherheitsempfehlungen. In den Berichten geht es nicht um die Klärung von allfälligen Schuldfragen! In der Vergangenheit war eine starke Unterbesetzung der Dienststelle zu konstatieren, was zu verzögerten Untersuchungen und Veröffentlichungen der Berichte führte. Fr. Bogner leitet die SUB interimistisch seit März 2018 und definitiv seit Februar 2019. Die Dienstelle ist eine nachgeordnete Behörde, daher besteht kein fachliches Weisungsrecht seitens übergeordneter Dienststellen oder seitens des Ministers. Für die Luftfahrt sind dzt. 8 Mitarbeiter zuständig. Bei Bedarf werden externe Stellen für Spezialuntersuchungen hinzugezogen. Auf die Frage nach den häufigsten Ursachen von Flugunfällen nannte Fr. Bogner mangelhafte oder gar fehlende Flugvorbereitung, Fehler bei der Treibstoffplanung (was u.a. zu erhöhtem Druck führt, in grenzwertigem Wetter zu landen), Wetter in alpinem Gelände und den Klassiker Einflug in IMC unter VFR. Die SUB untersucht alle Ereignisse bei denen Verletzte oder Tote zu beklagen sind, und schwere Störungen. Nicht alle gemeldeten Vorfälle führen zu einem kompletten Untersuchungsbericht. Pro Jahr werden tausende Vorfälle gemeldet, es ist eine steigende Meldungskultur zu verzeichnen. Trotzdem möchte die SUB die Scheu vor Meldungen weiter abbauen, um bessere Sicherheitsempfehlungen abgeben zu können. In Zukunft sollen Unfallbeteiligte und Zeugen (soweit möglich) vermehrt in die Untersuchungen eingebunden werden. Jedes Jahr wird von der SUB ein Summary über die Unfälle veröffentlicht. Bei jedem Unfall wird ab Unfalldatum binnen eines Jahres mindestens ein Zwischenbericht veröffentlicht. Die Unfallberichte selbst sind auf der Homepage des BMVIT zu finden: https://www.bmvit.gv.at/verkehr/sub/luftfahrt/berichte/ Notifications (Kurzdarstellungen) werden nicht veröffentlicht. Die SUB führt keine Untersuchungen bei Unfällen mit Ultralights, Fallschirmen und Paragleitern durch. Segelflug-Unfälle werden aber sehr wohl untersucht. Die SUB ist nicht in das Projekt Sportluftfahrt des BMVIT eingebunden. AOPA Austria regt an, eine Projekt-Kooperation der beiden Dienststellenzu prüfen. Fr. Bogner hat sich am Ende des Gespräches dankenswerter Weise bereit erklärt, einen Vortrag im Rahmen der AOPA Austria Vortragsreihe „Rusty Pilots“ zu halten. Dieser wird am Freitag, den 29.11.2019 um 18:00 stattfinden.Der Ort wird noch festgelegt, die Themen im Detail ebenfalls. Fragen im Vorfeld sind erwünscht. AOPA Austria bedankt sich im Namen des gesamten Vorstandes für das außerordentlich angenehme und konstruktive Gespräch. Herbert LicenikAOPA AustriaSchriftführer

LPC Erleichterungen
Die mit 06.09.2019 veröffentlichte Revision 5 des Zivilluftfahrt-Hinweises (ACG) FCL 7, „Verfahren zum Nachweis der Sprachkompetenz gemäß VO (EU) Nr. 1178/2011 Anhang I (Teil-FCL) FCL.055 (e)", bringt die folgenden Neuerungen mit sich: Sprachkompetenz-Prüfungsverfahren von anderen EASA-Mitgliedsstaaten werden ab sofort seitens Austro Control anerkannt, sofern sie bestimmten Vorgaben entsprechen (siehe Punkt 4.1.1. des ZPH FCL 7, Rev 5), insbesondere ist zu bestätigen, dass die Sprachkompetenzprüfung mindestens einen 15minütigen Dialog mit dem Sprachkompetenzprüfer beinhaltet und eine Audioaufzeichnung der gesamten Sprachkompetenzprüfung angefertigt wurde, welche Austro Control zur Verfügung zu stellen ist. Die Übermittlung der Audioaufzeichnung der gesamten Prüfung an Austro Control dient sowohl der routinemäßigen Aufsicht, wie sie auch bisher schon stattfindet, als auch der Sicherstellung des Einspruchverfahrens in solchen Fällen, in denen jemand mit dem Ergebnis der Sprachkompetenzprüfung nicht einverstanden ist.Am Antrag auf Eintragung eines Sprachenvermerks (FO_LFA_PEL_313_DE_20) ist vom Sprachkompetenzprüfer bzw Language Assessment Body (LAB) zu bestätigen, dass die Sprachkompetenzprüfung unter Einhaltung von VO (EU) Nr. 1178/2011 Anhang I FCL.055 und den dazu erlassenen annehmbaren Nachweisverfahren (AMC) erfolgte sowie einen Dialog von mindestens 15minütiger Dauer enthielt und von der gesamten Prüfung eine Audioaufzeichnung angefertigt wurde.Die Sprachkompetenzprüfung darf zum gleichen Termin, aber nicht in Verbindung mit einer Befähigungsüberprüfung, einer Kompetenzbeurteilung oder einer praktischen Prüfung durchgeführt werden, sofern die Vorgaben gemäß Punkt 4.3.1 des ZPH FCL 7, Rev 5 eingehalten werden, d.h. die Prüfung durch einen LPE (Language Proficiency Examiner) mit einem seitens Austro Control genehmigten Sprachtest abgenommen wird. Für die Lizenzeintragung reicht ein Hand-Endorsement eines FE, das gilt jedoch nicht für Ersteintrag oder Level change! Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an sprachkompetenz@austrocontrol.at"